Am 7. Oktober starten die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie. Die Lage in den Betrieben ist sehr differenziert: Betriebe in der Krise einerseits, Betriebe die boomen andererseits. Die IG Metall will die Kaufkraft stärken und Arbeitsplätze schützen. Nach der Entscheidung der IG Metall-Tarifkommissionen am Dienstag beschloss der IG Metall-Vorstand am Mittwoch daher ein vielfältiges Forderungspaket:
„Wir gehen mit kämpferischem Realismus in die Verhandlungen“, sagt Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall. „Verzicht bringt nichts voran. Statt Krisenrhetorik, Angriffen auf soziale Standards und Schwarzmalerei erwarten die Beschäftigten sichere Jobs, Ausgleich für gestiegene Preise und einen gerechten Anteil an den Gewinnen der Unternehmen. Verlagerungsdrohungen als Ablenkungsmanöver von Management-Versagen akzeptieren wir nicht.“
Laut Erhebungen der Gewerkschaft ist der Auftragsbestand in zwei Dritteln der Unternehmen gut oder sehr gut. Die Mehrheit erwartet zudem eine gute oder sehr gute Entwicklung in nächster Zeit. Gleichzeitig beobachtet die IG Metall unterschiedliche, einzelne Lagen der Teilbranchen. So boomen die Aufträge insbesondere bei Herstellern von Schiffen, Schienenfahrzeugen, in der Medizintechnik, in der Luft- und Raumfahrt sowie der Rüstung. Bei einem Drittel der Unternehmen, insbesondere in der Autoindustrie oder im Maschinenbau, ist die Auftragslage schlecht bis sehr schlecht.
Tarifliche Antworten auf alle Lagen der Unternehmen
IG Metall-Tarifvorständin Nadine Boguslawski betont: „Unser Forderungspaket ist verantwortungsvoll, gerecht und passgenau. Wir bieten und verlangen von den Arbeitgebern tariflich Antworten für die vielfältigen wirtschaftlichen Situationen: vom Krisen- bis zum Boom-Betrieb.“
„Wer Aufschwung will, braucht Kaufkraft“, sagte Nadine Boguslawski. „Die Beschäftigten spüren steigende Lebenshaltungs-, Wohn- und Gesundheitskosten. Deshalb braucht es eine spürbare Entgelterhöhung von 5 Prozent. Diese Stütze braucht auch die Binnenkonjunktur.“ Darüber hinaus will die IG Metall den tariflichen Werkzeugkasten daraufhin überprüfen, ob in Krisenunternehmen die Instrumente für Beschäftigungssicherung und Zukunftsinvestitionen ausreichen. Boguslawski betont: „Beschäftigte verzichten dort bereits auf tarifliche Leistungen, ermöglichen den Wandel und sichern Arbeit.“
Tarifliche Gewinnbeteiligung in Boom-Betrieben
Als neues Thema verlangt die IG Metall im Flächentarifvertrag für Beschäftigte eine Gewinnbeteiligung in Betrieben mit einer guten wirtschaftlichen Lage. Boguslawski: „Wer außergewöhnlichen Erfolg erarbeitet, soll auch am Erfolg beteiligt werden.“
Gewerkschafts-Chefin Benner bietet den Arbeitgebern konstruktive Tarifverhandlungen an. „Unser Automobilaktionstag am 21. September hat gezeigt, dass die Beschäftigten kampfbereit sind, wenn es um ihre Forderungen und ihre Zukunft geht. Das lässt uns selbstbewusst in die Tarifrunde starten, denn wir sind eskalationsfähig.“
Die von den IG Metall-Bezirken regional geführten Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie starten ab dem 7. Oktober. Die Friedenspflicht endet mit dem 31. Oktober, ab 1. November sind Warnstreiks möglich. In der Branche arbeiten über 3,7 Millionen Beschäftigte.
Wirtschaftliche Lage differenziert – Trend nach oben
Die wirtschaftliche Lage in den Betrieben ist uneinheitlich: Krise hier, Boom da. Doch insgesamt hellt sich die Lage auf – in fast allen Branchen der IG Metall. Das ergibt die neueste Betriebsrätebefragung der Gewerkschaft. Zwar hält der Stellenabbau derzeit noch an, allerdings gibt es auch hier Zeichen für eine Entspannung.
63 Prozent der Betriebsräte registrieren in den Branchen der IG Metall eine gute oder sehr gute Kapazitätsauslastung – sechs Prozentpunkte mehr als im Herbst 2025. 58 Prozent berichten von guten bis sehr guten Aussichten in den kommenden drei bis sechs Monaten.
Auffallend ist, dass auch jedes sechste Unternehmen mit guten oder sehr guten betrieblichen Aussichten noch Stammbelegschaft abbaut. Vor drei Jahren lag der Anteil bei nur 5 Prozent. Jetzt nutzen 15 Prozent der Betriebe entgegen der wirtschaftlichen Notwendigkeit die Situation für Stellenabbau aus.
Auch die Beschäftigtenbefragung der IG Metall unter 267.000 Beschäftigten in 2287 Betrieben im Sommer zeigte eine sehr unterschiedliche aber verbesserte Wahrnehmung der wirtschaftlichen Lage: Die Hälfte bezeichnet die Situation im Betrieb als sehr gut (14,5 %) oder gut (31,7 %). Ein Drittel (32,2 %) attestiert dem eigenen Arbeitgeber ein „geht so“. Jeder Fünfte nimmt die Situation als schlecht (16,9 %) oder sehr schlecht (4,7 %) wahr.
Die positive wirtschaftliche Wahrnehmung ist getrieben von Betrieben der Luft- und Raumfahrt, Rüstung, Schiffsbau oder Energie. Kritischer blicken dagegen Beschäftigte der Autoindustrie und Dienstleister auf den Kurs ihrer Unternehmen.
So geht es weiter in der Metall-Tarifrunde 2026
- 7. Oktober: Start der Tarifverhandlungen
- 31. Oktober: Auslaufen der Entgelttarifverträge – Ende der Friedenspflicht um 24 Uhr
- 1. November, ab 0 Uhr: Warnstreiks möglich
Aktionstag zum Tarifauftakt: Jetzt werden wir sichtbar!
Am 7. Oktober 2026 starten die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Ludwigsburg. Jetzt ist der Moment, gemeinsam Stärke zu zeigen und unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Deshalb rufen wir zum großen Aktionstag nach Ludwigsburg auf.
Gemeinsam ziehen wir vom Bahnhof Ludwigsburg zum Verhandlungslokal und machen deutlich: Hinter unseren Forderungen stehen viele Tausend Beschäftigte. Denn am Verhandlungstisch zählt, was wir gemeinsam in Bewegung bringen.
Aus Göppingen und Geislingen wollen wir gemeinsam mit Bussen anreisen.
Abfahrt 09:45 Uhr an Jahnhalle Geislingen
Abfahrt 10:00 Uhr am Parkplatz FC Eislingen
Abfahrt 10:15 Uhr am Parkplatz Schuler (Bahnhofstraße/Hermannstraße)
Programm in Ludwigsburg
- 11:30 Uhr: Auftaktkundgebung am Bahnhof Ludwigsburg
- Anschließend: Demonstrationszug zum Verhandlungslokal
- Ab 13:00 Uhr: Gemeinsame Kundgebung am Forum am Schlosspark