Standort vor dem Aus
Nach Angaben des Unternehmens soll die Produktion ab Ende 2026 schrittweise heruntergefahren werden. Die vollständige Schließung ist für das erste Halbjahr 2027 vorgesehen.
Der Standort Neustadt besteht seit 1987 und fertigt vor allem Klimasysteme für Premium-Pkw. Mit der Entscheidung endet eine jahrzehntelange industrielle Tradition in der Region.
Als Gründe führt MAHLE an:
- auslaufende Kundenaufträge
- schwächere Marktentwicklungen
- steigenden Kostendruck, insbesondere durch internationale Konkurrenz
Laut Konzern sei ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich.
„Die Haltung des Unternehmens besorgt mich“, sagt Michael Kocken, 1. Bevollmächtigter der IG Metall im Filstal, denn so Kocken weiter, „es zeigt den Unwillen der Unternehmensleitung die Krise anders zu bearbeiten als immer nur auf Kosten der Beschäftigten.
So habe man auf verschiedenen Ebenen versucht die Geschäftsführung und den Aufsichtsrat dazu zu bewegen, „Standorte fair zu vergleichen“ so der Metaller.
„Frontalangriff auf die Belegschaft“
Die IG Metall reagiert mit scharfer Kritik auf die Ankündigung. Für die Gewerkschaft steht fest: Diese Entscheidung ist nicht alternativlos.
Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg, Rico Irmischer, bezeichnet die Pläne als „Skandal“.
Besonders brisant:
Mehrere Verhandlungsrunden zur Zukunft des Standorts blieben ergebnislos.
Die IG Metall hatte konkrete Konzepte zur Sicherung des Werks vorgelegt.
Ein Gutachten bescheinigt dem Standort sogar wirtschaftliche Stärke im Vergleich zu anderen MAHLE-Werken. „Wir haben die Standorte wirtschaftlich vergleichen lassen“ sagt Irmischer und meint damit die Standorte Neustadt/Donau und Senica (Slowakei). Da wird deutlich, so Irmischer, dass Neustadt sehr wohl konkurrenzfähig ist. „Aber das Unternehmen schaut sich nur die Arbeitskosten an und nicht die Gesamtkosten“, ergänzt Kocken und wirft der Geschäftsführung Getriebenheit in sogenannte „best cost countrys“ vor.
Für Betriebsrat und Gewerkschaft ist klar:
Hier wird ein funktionierender Standort aufgegeben, statt ihn weiterzuentwickeln.
Warnstreik – Beschäftigte setzen Zeichen
Bereits vor der offiziellen Schließungsankündigung hatten die Beschäftigten den Druck erhöht:
24‑Stunden-Warnstreik am 12. Mai 2026
Rund 300 Beschäftigte beteiligten sich.
Die Produktion kam zeitweise vollständig zum Erliegen. Nur so kann man Druck auf die Unternehmensführung aufbauen.
Die Botschaft ist eindeutig:
Die Belegschaft ist bereit, für ihre Arbeitsplätze zu kämpfen.
Sollte das Management an seinen Plänen festhalten, schließt die IG Metall weitergehende Arbeitskampfmaßnahmen bis hin zum unbefristeten Streik nicht aus.
Strukturwandel darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten stattfinden
Die Entwicklung bei MAHLE ist kein Einzelfall. Sie steht exemplarisch für den Druck, unter dem viele Zulieferbetriebe stehen.
Doch klar ist auch:
Der notwendige Wandel der Industrie darf nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen.
Die Kolleginnen und Kollegen in Neustadt haben über Jahrzehnte hinweg gute Arbeit geleistet und den Erfolg des Unternehmens mitgetragen.
Jetzt braucht es Perspektiven – keine Abwicklung.
Unsere Solidarität gilt den Kolleginnen und Kollegen
Die IG Metall Göppingen-Geislingen steht solidarisch an der Seite der Beschäftigten in Neustadt an der Donau.
Wir fordern:
- Erhalt des Standorts und der Arbeitsplätze und eine ernsthafte Prüfung der vorliegenden Alternativkonzepte.
- Zukunftsinvestitionen statt Standortschließungen echte Verhandlungen auf Augenhöhe.
„Wir wollen und müssen solidarisch an der Seite der Kolleginnen und Kollegen stehen“, meint Kocken mit Blick auf die Region um Stuttgart. Denn rund um Stuttgart gibt es auch viele MAHLE-Betriebe. So verhandelt die IG Metall zur Zeit in Stuttgart um die Zukunftsfähigkeit der Zentralbereiche, in denen Personalabbau droht. „Für uns in der Region im Filstal ist die Situation beängstigend“ schaut Kocken in die Zukunft, „neben aktuellem Personalabbau bei MAG IAS und den verschiedenen ehemaligen WMF Betrieben haben wir auch einen MAHLE Standort in Eislingen und Albershausen, der mit seinen Produkten in den Verbrennungsmotor liefert.“ Wenn das Unternehmen kein Interesse habe Zukunft gemeinsam mit den Beschäftigten zu gestalten, sondern immer nur auf Zahlen schaut, „ist unser Standort auch bald gefährdet“ befürchtet Kocken.
Die Auseinandersetzung bei MAHLE zeigt einmal mehr:
Gute Arbeit und industrielle Zukunft gibt es nur mit einer starken Gewerkschaft.